Presseberichte zum Abschied von Schulleiter Manfred Koch


Eine Ära geht zu Ende


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Manfred Koch (auf dem Foto mit seiner Frau Edith), der 36 Jahre lang Rektor der Crailsheimer Eichendorffschule und 13 Jahre lang geschäftsführender Schulleiter in der Stadt war, wurde gestern in den Ruhestand verabschiedet. Ursula Jordan, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, bezeichnete die ¬Eichendorffschule als „Vorzeigeschule“. Zum Schluss der Feier sangen alle Gäste: „Nie vergessen wir Herrn Koch!“ Auch gestern war nichts über den Nachfolger zu hören, nach HT-Informationen ist es Oliver Grau, der Rektor der Gemeinschaftsschule in Rot am See. Neuer geschäftsführender Schulleiter wird Ulrich Kern, Rektor der Realschule am Karlsberg.

Foto: Jens Sitarek

Quelle: Hohenloher Tagblatt | 08.07.2017



Manfred Koch hat die EDS zu einer Vorzeigeschule geformt


Für den scheidenden Rektor war die Eichendorffschule „meine zweite Heimat“. Redner loben die besonderen Führungsqualitäten des Pädagogen.

Auch in der Stunde des Abschieds imponierte Manfred Koch (66), der scheidende Rektor der Crailsheimer Eichendorffschule mit dem, was ihn schon seit Jahrzehnten auszeichnet: mit Bescheidenheit und Teamorientierung. Die „glückliche Zeit“, die er an der Schule gehabt habe, „war nur möglich durch Sie alle“, richtete er am Ende der Verabschiedungsfeier das Wort an die Menschen, die sich in der EDS-Aula versammelt hatten, um seine Arbeit in den vergangenen 36 Jahren zu würdigen. Es war geradezu spürbar, wie schwer dem Kollegium der Abschied von dem Mann fiel, der ihr Chef war, der aber so großen Wert auf Teamarbeit und Gemeinsamkeit legt. „Es handelt sich um den ersten Austritt, den keiner will“, gab Lehrerin Jutta Harbauer den Ton vor, der sich dann wie ein roter Faden durch den ganzen Nachmittag zog. Den Schlusston setzte Rainer Zörlein, der mit Harbauer zusammen durch die Veranstaltung führte. Er bezeichnete Koch als „Glücksfall“ für die Schule, und zitierte den letzten Satz aus dem bekanntesten Werk von Namensgeber Joseph von Eichendorff: „Und es war alles, gut!“


So hielten sich Wehmut und Dankbarkeit an diesem Nachmittag der Verabschiedung die Waage. Koch, der nach dem offiziellen Teil der Feier jeder Lehrerin und jedem Lehrer eine weiße Rose als Zeichen des Dankes für die engagierte Arbeit an der Schule überreichte, hatte zuvor hervorgehoben, dass ihm die Eichendorffschule stets mehr als ein Arbeitsplatz war, „sie war mir zweite Heimat“. Er bedankte sich bei seinem Kollegium für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in all den Jahren: „In dieser Zeit ist eine großartige Gemeinschaft entstanden, in der jeder jeden wahrnimmt und kennt.“


Am vergangenen Freitag war Koch mit Lob geradezu überschüttet worden. Ursula Jordan, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Künzelsau, lobte das stets vorbildhafte Verhalten des Pädagogen, der schon im Alter von 30 Jahren zum Rektor berufen worden war und bei Dienstantritt 1981 jüngster Rektor im Land war. Verabschiedet wurde er nun nach 36 Jahren als dienst¬ältester Schulleiter in Baden-¬Württemberg. Als Lehrer hat es Koch, der zuerst in Lautenbach (Gemeinde Fichtenau) unterrichtete, sogar auf 43 Dienstjahre gebracht. Die Leitende Schulamtsdirektorin würdigte Koch als Pädagogen, der „mit Herzblut“ bei der Sache gewesen sei, und hob seine besonderen Fähigkeiten in der Führung und Motivation von Schülern und Lehrern hervor.


„Mutig und wahrhaftig“
Der gute Geist, der an der Schule herrsche, sei von Koch erweckt worden, unterstrich Konrektor Heinrich Beck, der es sich trotz schwerer Erkrankung nicht nehmen ließ, zur Verabschiedung zu kommen – ein besonders emotionaler Moment am Freitagnachmittag. Beck verwies auf Mut und Wahrhaftigkeit als zwei Eigenschaften, die Koch besonders auszeichnen würden. Voll des Lobes war auch Thomas Kuhn, Rektor der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum West in Schwäbisch Hall. Er ist Nachfolger von Koch im Arbeitskreis Schule/Wirtschaft und würdigte seinen Vorgänger als „großartigen und erfolgreichen Schulleiter“. Wer die Eichendorffschule betrete, spüre sofort „diesen ganz besonderen Geist“, der dort herrsche.


Besondere Atmosphäre
Die besondere Atmosphäre an der Schule auf dem Sauerbrunnen, die sich unter Koch von der Hauptschule zur Gemeinschaftsschule entwickelt hat, verdankt sich ganz wesentlich der vielen Kunst, die überall im Gebäude hängt und steht. Sie stammt von Künstlern aus Crailsheim, aber auch von Schülerinnen und Schülern. Hörbar wurde das Augenmerk, das an der EDS auf musische Fächer gelegt wird, auch bei den „wunderbaren“ (Jordan) Auftritten des Schulorchesters. Der Klangkörper unter der Leitung von Sandra Freisinger, war der heimliche Star der Feier.
„Eine Institution“


Oberbürgermeister Rudolf Michl würdigte die Ausdauer von Koch. Er habe in all den Jahren nichts von seiner Begeisterung für seinen Beruf verloren. Das hoben auch Thomas Reichenwallner für den Förderverein und Hans-Jörg Trautwein für den Elternbeirat hervor und sagten „Danke!“. Für die Crailsheimer Schulen konstatierte Sigrun Lutz-Sigg, die Rektorin der benachbarten Käthe-Kollwitz-Schule, dass Koch als „Geschäftsführender“ viel bewirkt habe. Für die Unternehmerin Andrea Bohn, die für die Kooperationspartner in der Wirtschaft sprach, ist Koch „eine Institution“. Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann brachte auf den Punkt, was viele Gäste dachten: „Es tut jedes Mal gut, diese Schule zu betreten.“

Glücksfall für die Stadt
Er war schon früh bereit, in seinem so geliebten Beruf Verantwortung zu übernehmen, und so bewarb sich Manfred Koch noch als Junglehrer um die Rektorenstelle an der Eichendorffschule in Crailsheim. Es folgte ein 36 Jahre währender Glücksfall für die Schulstadt Crailsheim.
Manfred Koch hätte Karriere in der Schulverwaltung des Landes machen können. Schulamt, Ministerium – auch da hätte er eine gute Figur gemacht. Doch er wollte nicht nur Akten verwalten, wollte mit Schülern und Lehrern arbeiten, eine Schule nach seinen Vorstellungen gestalten.
Wer heute die Eichendorffschule betritt, wer das Lehrerkollegium kennt, der weiß, wie viel Gutes ein engagierter Rektor trotz aller Gängelei von oben bewirken kann. Sein Nachfolger ist zwar ein erfahrener Mann, findet aber große Fußstapfen vor. Es ist ihm und der Schule zu wünschen, dass er sich an den Wegmarken des Vorgängers orientiert, aber auch neue Wege wagt. Schule ist wie Leben: Bereitschaft zur Veränderung ist ständig gefragt.


Die Stadt wirbt für sich mit dem „Crailsheimer Weg“, damit, dass sie viel für Schulen tut. Dass man noch lange nicht am Ziel angekommen ist, hat Koch in seinen Dankesworten formuliert. Und so mit der ihn auszeichnenden Mischung aus Freundlichkeit und Verbindlichkeit der Kommunalpolitik eine Hausaufgabe hinterlassen.

Quelle: Hohenloher Tagblatt von  | 11.07.2017

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